14.02.2022, von Stefan Pscherer

S-Bahn Katastrophe bei Hohenschäftlarn

Sechstägiger THW-Einsatz fordert die Münchner Ortsverbände

Am 14.02.2022 gegen 17:00 wurde der THW Ortsverband München-Land zusammen mit vielen weiteren Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Katastrophenschutz zu einem Bahnunfall auf der Strecke der S7 bei Hohenschäftlarn alarmiert.

Hier waren zwei S-Bahnen frontal auf der einspurigen Strecke kollidiert. Die etwa 80 Fahrgäste, darunter 14 Schwerverletzte, wurden von Feuerwehr und Rettungsdienst mit schwerem Gerät befreit. Ein Fahrgast konnte leider nur noch tot geborgen werden. Es waren mehr als 800 Einsatzkräfte vor Ort.

Der Ortsverband München-Land richtete vor Ort eine THW Führungsstelle ein und unterteilte die Unfallstelle in vier Einsatzabschnitte. Von hier aus wurden die über 100 angeforderten THW-Kräfte aus allen Münchner Ortsverbänden koordiniert und eingesetzt.

Auf dem Parkplatz von ALDI Süd in Baierbrunn wurde ein THW-Bereitstellungsraum für die nachrückenden Kräfte eingerichtet. Ein herzlicher Dank an die Mitarbeitenden des Marktes sowie einige Kunden, die unsere Helfenden vor Ort mit Getränken und "Nervennahrung" versorgt haben. Im Bereitstellungsraum waren mehr als 70 THW Einsatzkräfte abgestellt und wurden von dort in die Einsatzabschnitte verteilt.

Hauptaufgabe am ersten Einsatztag war die großflächige Ausleuchtung der mehr als 200m langen und teils schwer zugänglichen Einsatzstelle sowie von zwei Hubschrauberlandeplätzen auf denen sechs Rettungshubschrauber stationiert waren. Des Weiteren wurde die Einsatzleitung zu den Einsatzoptionen des Technischen Hilfswerks beraten. Unser Zugtrupp stellte seit der Alarmierung einen 24h Betrieb sicher, um die Absicherung der Einsatzstelle und Beleuchtung rund um die Uhr zu gewährleisten.

Dienstag, am zweiten Einsatztag, wurden durch unsere Einsatzkräfte mit Hilfe eines Hubsteigers die Oberleitung im Bereich der zusammengestoßenen Loks sowie ein Oberleitungsmast entfernt. Die Einsatzstelle war auch wieder die ganze Nacht zur Sicherung durch die Deutsche Bahn und Polizei beleuchtet.

Da am 16.02.2022 das Sturmtief Ylenia angekündigt war, wurden Sicherungsmaßnahmen an der Einsatzstelle durchgeführt, um Trümmer vor Witterungseinflüssen zu schützen. Der Ortsverband Augsburg des THW versorgte die benötigten Lichtmasten und Aggregate täglich mit Betriebsstoffen.

Nach einer weiteren Nachtschicht, um die Unfallstelle auszuleuchten wurde am Vormittag die Beleuchtung rund um die S-Bahnen abgebaut. Nun unterstützen rund 40 Einsatzkräfte aus drei Ortsverbänden die Bergung der verunfallten S-Bahnen. Hierzu wurden die entgleisten Wagons wieder eingegleist und die beiden Loks voneinander getrennt. Zusammen mit Mitarbeitenden der Bahn und einem 100t Autokran, waren unsere Einsatzkräfte bei der Zerteilung von verschiedenen Bahnteilen und an der Koordination der Bergungsarbeiten beteiligt. Zum Abtransport eines Triebwagens wurde dieser mithilfe des Krans vom Gleis auf die Bundesstraße 11 gehoben. Die zweite S-Bahn wurde provisorisch mit dem herausgerissenen Fahrgestell verbunden und mit einer Speziallok abgeschleppt. Der Einsatz dauerte bis in die frühen Abendstunden, da viele Aufgaben zu bewältigen waren.

Am Freitag, den 18.02.2022, wurden abschließende Arbeiten ausgeführt, das restliche Equipment zurückgebaut und in den THW Ortsverband verbracht. Zwei Fahrzeuge begleiteten den mehr als 35 m langen Spezial-Tieflader aus Nürnberg bis zur Unfallstelle.

Samstags unterstützen die Ortsverbände München-Land und München Ost die Verladung des Zuges auf den LKW und begleiteten den Schwertransport wieder mit zwei Fahrzeugen. Damit endete für alle Einsatzkräfte ein sechstägiger Einsatz mit der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft.

Unser Dank geht an die vorbildliche Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen und unsere Kameradinnen und Kameraden vom THW OV München-West, THW OV München-Ost, THW OV München Mitte und THW OV Augsburg. Ebenso gilt der Dank allen Arbeitgebern, die unsere Einsatzkräfte durch eine Freistellung unterstützt haben. 


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